KomplementärTherapeut mit Eidgenössischem Diplom…

23. Juni 2015

…wird es dereinst heissen. Wobei „dereinst“ eigentlich irreführend ist, denn die Höhere Fachprüfung, die die Therapeuten in einen reglementierten Beruf auf Tertiärstufe (also Stufe Fachhochschule) hieven wird, wartet auf den Startschuss, dessen Verzögerung vereinzelten Kleingeistern geschuldet ist, die Einsprachen gegen die Prüfungsordnung erhoben haben.

Also KomplementärTherapeut mit Eidgenössischem Diplom.  Das ist dann ein ganz normaler und vom Bund reglementierter Beruf mit höherem Fachausweis. Vorbei die Zeiten – wobei 2005 ja nicht weit in der Vergangenheit liegt – , da ein Bundesrat die Komplementärmedizin als Hexerei bezeichnete und 5 komplementärmedizinische Methoden aus der Grundversicherung strich. Eine Aktion, die wie so vieles andere auf dem Müllhaufen der Geschichte landete, denn das Stimmvolk war kompetent genug, in der vielbeachteten Volksabstimmung von 2009 dafür zu sorgen, dass 5 komplementärtherapeutische Methoden, nämlich (bei Durchführung durch einen Arzt mit entsprechender Weiterbildung) Akupunktur, Anthroposophische Medizin, Arzneimitteltherapie der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), Ärztliche klassische Homöopathie und Phyotherapie wieder in den Katalog der Grundversicherung aufgenommen wurden. Vorbei also die Zeiten, wo jedermann behaupten konnte, Komplementärtherapie sei esoterischer Wildwuchs, der jeder Grundlage entbehre.

Es ist ja schon wahr, wenn man sich den Katalog mit mehreren Dutzend Methoden anschaut, die von den meisten Zusatzversicherungen bezahlt werden, kann einem schwindlig werden. Das neue Berufsbild „KomplementärTherapeut mit Eidgenössischem Diplom“ gilt denn auch nur für eine kleine Selektion von ihnen, die sich für die Entwicklung des Berufsbildes engagiert haben – darunter natürlich Craniosacral Therapie. Der Berufsverband Cranio Suisse hat seit mehr als einem Jahrzehnt den Berufsbildungsprozess an vorderster Front mitgeprägt. Und da ich selbst während einiger Jahre Öffentlichkeitsarbeit für den Berufsverband Cranio Suisse geleistet habe, habe ich eine Ahnung davon bekommen, welch immensem Engagement Seitens der Verbandspräsidien und Vorstände der neue Status zu verdanken ist. Chapeau und tiefe Verneigung! Für die heranwachsende neue Therapeutengeneration wurde da Gewaltiges geleistet. Nun, wie gesagt, es ist noch nicht ganz geschafft, aber den Champagner können wir schon mal kalt stellen.

Und wer mehr über das ganze Thema wissen will, kann sich gerne via http://www.oda-kt.ch/ orientieren, da wird immer über den aktuellsten Stand informiert, einsehbar ist aber auch die Entwicklung des ganzen Berufsbildungsprozesses.

Christoph Glauser

 

Ps. Mittlerweile ist noch etwas Wasser die Aare runtergeflossen und hat wohl ein paar Einsprachen fortgespült. Anfang September hat uns die gute Nachricht erreicht, dass das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation die Prüfungsordnung und damit den Beruf Komplementär Therapie genehmigt hat. Jetzt also die Flasche entkorken und Prost Hurra!

Nachtrag 8.8.2016: Gut Ding will Weile haben, heisst es, und so ist nochmal etwas Wasser die Aare runtergeflossen – diesmal aber schon mit Schämpis angereichtert -, bis es jetzt auch schwarz auf weiss (bzw. schwarz auf gelb, wie eidgenössische Diplome auszusehen pflegen) bestätigt ist: ich darf mich „KomplementärTherapeut mit eidgenössischem Diplom“ nennen. Happy End!