Babys und Eltern
![]() Die Berührung erfolgt langsam, äusserst behutsam und ohne jeglichen Druck |
Craniosacrale Heilarbeit bietet eine sanfte und behutsame Möglichkeit, Kinder bei ihrer Reise ins Leben zu unterstützen. Der Blick ist dabei nicht nur auf das Kind gerichtet, sondern im gleichen Masse auch auf seine Eltern. Mit der Geburt vollzieht sich eine tiefgreifende Veränderung im Leben des Kindes, der Mutter und des Vaters. Wie verläuft diese Veränderung, wenn ein ganz neues Beziehungsgefüge entsteht? Welche Unterstützung braucht das Kind auf einer körperlichen, seelischen und emotionalen Ebene bei der Verarbeitung der Schwangerschaftszeit und insbesondere der Geburt, damit seine Ankunft auf dieser Welt zu einer nachhaltigen Kraftquelle für seine ganze Lebenszeit wird? Wie können die Eltern durch die Geburt ihres Kindes in einen heilsamen Kontakt mit eigenen Verletzungen aus ihrer frühesten Lebenszeit und Familiengeschichte treten und damit gleichzeitig auch ihr Kind entlasten? Solche Fragen bilden den Rahmen für meine Begegnung mit Babys und ihren Eltern in einem geschützten Raum. |
Immer wieder finden junge Familien auf Empfehlung von Hebammen, Aerzten oder Mütter- und Väterberatung den Weg in die Praxis. Oft suchen sie Unterstützung für Kinder, die von Unruhe, langen Schreiphasen oder Bauchkrämpfen geplagt sind.
Manchmal ist es sinnvoll, in einem Vorgespräch die Bedürfnisse der Eltern und des Kindes zu klären und Symptome in einem Kontext von Schwangerschaft, Geburt und familiärer Situation zu sehen. Ich orientiere mich dabei an einer ressourcen- und lösungsbezogenen Sichtweise.
Wie ist die Schwangerschaft und Geburt verlaufen? Welche medizinischen Massnahmen kamen bei der Geburt zum Einsatz? Wie haben die Eltern die Geburt und die erste Zeit danach erlebt?
Was wissen sie über ihre eigene Geburt und früheste Kindheit? Wie erleben die Eltern die Beziehung mit ihrem Kind? Was wünschen sie sich als Veränderung, was ist ihre Vision ihres Familienlebens? Welches sind ihre stärksten Ressourcen?
Mit dem Einbezug der Eltern können auch sie ihrer Bedürfnisse und Emotionen gewahr werden und ihnen Raum geben. Durch die Anerkennung und das dadurch entstandene Bewusstwerden können tiefliegende Spannungen abgebaut und Gefühle integriert werden. Manchmal ist es für die ganze Familie auch heilsam, wenn die Mutter oder der Vater des Kindes allein eine oder mehrere Craniosacral Behandlungen erhält.
Ein Neugeborenes ist vollkommen von seinen Eltern abhängig. Aus diesem Grund sind Eltern die grösste Ressource für das Kind. Das Neugeborene kennt die Stimme und den Geruch seiner Eltern und braucht die Gewissheit, dass es von seinen Eltern geliebt und beschützt wird.
Wenn die Eltern ruhig und sicher werden, überträgt sich dies direkt auf das Neugeborene. Dies ist bereits ein erster und oft entscheidender Schritt auf dem Weg des Heilungsprozesses.
Auf dieser starken Grundlage kann dann eine therapeutische Behandlung stattfinden, deren individueller Verlauf den Bedürfnissen der Eltern und des Kindes folgt. Es sei hier jedoch klar gesagt: Diagnosen stellen darf nur ein Arzt, eine Hebamme oder ein anerkannter Naturarzt. Und medizinische Diagnosen mit Krankheitswert sollen auch im Verlauf einer Craniosacral Therapie unter ärztlicher bzw. unter Hebammen-Kontrolle bleiben.

Während der Behandlung bleiben Mama und Papa jederzeit im Blickfeld des Kindes
Gemeinsames Bedürfnis der neugeborenen Kinder ist die Respektierung ihrer Grenzen. Sehr viele von ihnen erleben auch heute noch Grenzverletzungen als eine der allerersten Erfahrungen, die gerade bei Kaiserschnitten und inbesondere Notfallkaiserschnitten eine nachhaltig traumatische Wirkung haben können. Dabei ist es immer wieder äusserst eindrücklich zu sehen, wie jedes Neugeborene vom ersten Augenblick seines Daseins ein klares Gefühl für seine Grenzen hat und sein Bedürfnis nach deren Respektierung körpersprachlich klar mitteilen kann.
Von entscheidender Bedeutung für den ganzen Behandlungsverlauf und wichtigster Aspekt der ersten Behandlung ist deshalb die Art der Kontaktaufnahme mit dem Kind. Das Kind darf dabei nicht überfordert werden. Es kann zu bedrohlich sein bzw. eben schon eine Grenzverletzung, wenn ich dem Kind zu schnell zu nahe komme. Die Nähe bzw. die Distanz, die das Kind braucht, um sich sicher zu fühlen, kann verbal und non-verbal mit ihm ausgehandelt werden. Ich ziehe es deshalb vor, dass das Kind bei dieser ersten Begegnung von der Mutter oder dem Vater gehalten wird. Eine Berührung und erst recht eine manuelle Intervention darf erst stattfinden, wenn das Kind dafür bereit ist, und es wird dies in aller Regel klar zeigen. Wenn das Kind Nähe und Berührung noch nicht zulassen kann oder sich darob sofort gefährdet fühlt, kann eine Berührung auch über den Elternteil geschehen, der das Kind in den Armen hält. Ich lege dann eine Hand beispielsweise auf den oberen oder unteren Rücken der Mutter oder des Vaters.
Es ist eindrücklich und berührend zu erleben, wie die Kinder durch diesen behutsamen Zugang oft schon nach ein oder zwei Sitzungen das Muster ihrer Symptome zu verlassen beginnen.
In diesem Feld von sicheren Grenzen und Vertrauen wird dann auch die craniosacrale Körperarbeit ihre Wirkungskraft entfalten können.

