Krisenintervention & Bindungsfördernde Heilarbeit

 

Emotionelle Erste Hilfe (EEH), Körper- und traumatherapeutische Unterstützung

und Ressourcenarbeit bei Krisen in der frühesten Kinder- bzw. Elternzeit

 

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Manchmal geht alles gut – die eigene Lebensgeschichte spielt bei insgesamt freundlichem Wetter, die Beziehung ist Love, Peace & Happiness, die Nachricht „ich bin schwanger“ ein Jubelschrei und der erste Schrei des neugeborenen Kindes ein Glücksruf an die Eltern. Und von da an ist sowieso alles gut.

 

Manchmal aber auch nicht.

 

Manchmal war das Kind nicht gewollt, die Schwangerschaft war von Schwierigkeiten begleitet, an der Partnerschaft haftete ein „vielleicht“, die Geburt war durch Komplikationen belastet. Und nun schreit das Kind. Oder ist unruhig, schläft schlecht, trinkt zuwenig oder zuviel, hat Bauchkrämpfe. Die Eltern sind unsicher, wie sie die Signale ihres Kindes deuten sollen. Vom Umfeld gibt es reichlich Rat-Schläge. Alle wissen es besser. Der Schlaf fehlt, die Beziehung leidet, das Kind schreit lauter und länger – die Stress-Spirale ist in vollem Gang. Es folgt der Gang zum Kinderarzt, doch stellt fest, dass das Kind medizinisch kerngesund ist. Und schreit noch lauter. Die Eltern sind verzweifelt und wissen nicht mehr, was tun.

Die gute Nachricht ist: das muss nicht sein und muss nicht so bleiben. Es gibt Lösungs-Wege. Und eine weitere gute Nachricht: tatsächlich schreien kaum mehr als 5% der sogenannten Schrei-Babys wegen andauernder körperlicher Schmerzen. Und die dritte gute Nachricht: Sie müssen nicht 3 Monate durchhalten, in der Annahme, es handle sich um sogenannte Dreimonatskoliken, denn der Mythos von den Dreimonatskoliken ist längst widerlegt1.

Wichtig zu bedenken ist jedoch dies: Das Gehirn und das Nervensystem des Kindes entwickeln sich entlang der Lebenserfahrungen, die es macht und zwar auch schon während der Schwangerschaft. Die Art und Qualität der Lebenserfahrungen, die das Kind in dieser frühen Phase macht, wird also einen prägenden und nachhaltigen Einfluss haben.

 1 In der Broschüre „Ist mein Kind ein Schreibaby?“ der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) stellt diese klar: Trotz der scheinbar eindeutigen äußeren Anzeichen ist Dreimonatskolik „ein irreführender Begriff, denn nur selten liegen tatsächlich Verdauungsstörungen vor.“ http://www.urbia.de/magazin/baby/gesundheit-und-entwicklung/mythos-dreimonatskoliken

 

Wo sind die Ressourcen

Ein gemeinsames Vorgespräch kann die Situation erhellen, die Information zum Geschehenen gibt Struktur in die kreisenden Gedanken. Wichtig ist, dies transparent zu machen: was ist geschehen, was ist Tatsache, was ist Wahrnehmung?

Wie unterschiedlich sind die Perspektiven der Eltern in Bezug auf die Situation und das Erleben von Schwangerschaft und Geburt? Was ist ihr Bedürfnis, was für eine Veränderung wünschen sie sich? Wie war es damals in ihrer eigenen frühen Kindheit? Und was ist jetzt ihre Vision ihres Familienlebens? Wo liegen ihre stärksten Ressourcen und Kraftorte?

Diese Fragen lenken den Blick etwas weg vom Kind und von Tricks und Kniffs, auf welche Weise es denn beruhigt werden könnte. Und das ist gut so. Denn erstens: im Schreien des Kindes steckt eine Botschaft, es ist also wichtig, dass wir zuhören können. Und zweitens: Die Fragen lenken den Blick der Eltern zurück auf sich selbst. Wie geht es mir, was brauche ich, was brauchen wir als Eltern und Liebespartner? Gestärkte Eltern können Ihren Kindern Halt und Sicherheit geben. Wenn da aber Stress, das Ende aller Kräfte und Verzweiflung das Zusammenleben prägen, dann ist auch die Erfahrungswelt des neugeborenen Kindes von Stress und Verzweiflung geprägt.

Eltern, die in einer gesunden Beziehung zu ihrem Kind stehen, wünschen sich wohl nichts sehnlicher, als dass es ihrem Kind gut geht. Deshalb wohl auch die häufige Aussage und Frage von Eltern: „Es zerreisst mir das Herz, wenn ich zusehen muss, wie mein Kind schreit und ich es nicht beruhigen kann. Was kann ich tun, was gibt es noch für Techniken, damit es aufhört zu schreien?“.

Ein Perspektivenwechsel lässt die Antwort auf diese Frage offensichtlich werden: wo soll das Kind Ruhe finden, ankern können, wenn nicht bei seinen Eltern? Ein neugeborenes Kind ist für sein Überleben und körperlichNewborn baby feet in parents hands. Love simbol as heart sign-geistig gesundes Gedeihen vollkommen abhängig von der Zuwendung, Liebe und Fürsorge seiner Eltern – was könnte für das Kind also wichtiger sein als das Gefühl und die Gewissheit, dass es seinen Eltern gut geht und dass sie für das Kind emotional verfügbar und erreichbar sind?

 

 

Das ist es, was zwischen Eltern und Kind eine sichere Bindung entstehen lässt. Dann braucht es keine Tricks und Techniken mehr, denn das Kind wird auf dieser Basis wieder zur Ruhe finden.

Allerdings – und das ist wichtig zu sagen: ein Baby soll weinen dürfen. Es kann noch nicht sprechen, seine Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten sind noch in Entwicklung. Das Weinen kann ein wichtiges Kommunikationsmittel sein, um folgende Bedürfnisse auszudrücken:

  •      Körperliche Grundbedürfnisse, d.h. Nahrung, Schlaf, trockene Windeln, körperliche Nähe, körperliche Unversehrtheit
  •      Bindungsbedürfnis
  •      Erkundung und Entdeckung
  •      Autonomie und Selbstwirksamkeit

Ausserdem kann das Weinen auch eine Entlastungsmöglichkeit sein, ein Ventil, um mal „Dampf ablassen“ zu können. Wenn Sie das Baby dabei begleiten, indem Sie einfach bei ihm sind, ohne es möglichst rasch ruhigstellen zu wollen, wird es sich verstanden und angenommen fühlen und sich in Kontakt mit Ihnen wieder beruhigen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

In der Arbeit, die wir mit Eltern und Babys machen, geht es um dies: die Eltern ganz konkret und körperlich erfahrbar aus der Stress-Spirale hinaus an einen für sie sicheren „Ort“ begleiten, an dem sie sich spüren, ihre Bedürfnisse wahrnehmen, und aus ihrer Kraft heraus für ihr Kind emotional verfügbar sein können.

Der Weg dahin ist mit jeder Familie ein individueller, der wiederum den emotionalen Ressourcen, den Bedürfnissen, der konkreten Alltagssituation sowie den folgenden Grundvoraussetzungen für die Bindungsfähigkeit2 entlang verläuft:

  •      Die Fähigkeit zur Entspannung
  •      Entschleunigung
  •      Selbstanbindung
  •      Das Anerkennen der eigenen Situation
  •      Sicherheit und Geborgenheit

 

 

2 Harms 2008